Schweiz als Vorreiter: Banken und Blockchain im Spannungsfeld von Regulierung und Innovation
Heute ist der 23.06.2026, und die Welt der Kryptowährungen entwickelt sich rasant weiter. Besonders in der Schweiz tut sich einiges – UBS und Nethermind haben kürzlich zwei Proofs of Concept (PoC) erfolgreich abgeschlossen, um herauszufinden, ob das öffentliche Ethereum-Netzwerk die strengen Anforderungen von Finanzinstituten erfüllen kann. Das klingt spannend, oder? Diese Tests könnten die Art und Weise, wie Banken mit digitalen Vermögenswerten umgehen, revolutionieren.
Das Ziel der Projekte ist klar: Banken sollen in der Lage sein, öffentliche Blockchain-Infrastrukturen zu nutzen, ohne dass die Funktionsweise des Ethereum-Netzwerks verändert wird. Compliance-Anforderungen sollen umgesetzt werden, während die Blockchain offen und neutral bleibt. Eine interessante Herausforderung, die die beiden Unternehmen bereits in zwei zentralen Phasen der Transaktionsverarbeitung angegangen sind. Zuerst wurde ein Ethereum-Knoten konfiguriert, um individuelle Compliance- und Risikoregeln anzuwenden – wie zum Beispiel die Beschränkung von Transaktionen auf genehmigte Adressen. Zudem wurde eine Komponente entwickelt, die genehmigte Transaktionspakete gezielt an ausgewählte Netzwerkbetreiber weiterleitet. Testläufe fanden im Ethereum-Testnetzwerk Sepolia statt, wobei nachgewiesen wurde, dass regelkonforme Transaktionen zuverlässig verarbeitet werden können. Allerdings, ganz wichtig, echte Kundentransaktionen waren nicht Teil der Tests.
Die Rolle von Regulierung und neuen Chancen
In einem sich ständig verändernden Markt, in dem digitale Vermögenswerte die Finanzwelt umkrempeln, bringt die EU-Verordnung „Markets in Crypto Assets Regulation“ (MiCAR) neuen Wind. Diese Regelung schafft nicht nur rechtliche Sicherheit, sondern auch Klarheit für Banken, Vermögensverwalter und FinTechs. Das bedeutet neue Chancen, aber auch komplexe Anforderungen. Immer mehr Unternehmen setzen auf tokenisierte Wertpapiere, Stablecoins und DeFi-Modelle, während öffentliche Hand und Zentralbanken die Distributed-Ledger-Technologie (DLT) evaluieren, um die Zukunft des Finanzsystems zu gestalten.
KPMG ist dabei ein wichtiger Partner, der Unternehmen vom Konzept bis zum regulierten Betrieb unterstützt. Ihr Fokus liegt auf der regulatorischen Umsetzbarkeit und der technischen Machbarkeit. Sie helfen bei der Einordnung von Geschäftsmodellen unter MiCAR und begleiten die Implementierung von Lösungen wie Custody, Trading und Tokenisierung. Das ist eine Menge Arbeit, aber der Nutzen könnte enorm sein.
Ein Blick auf die Herausforderungen
Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Der Kryptomarkt ist im Vergleich zum traditionellen Finanzsystem noch eine kleine, isolierte Nische. Skandale wie der Zusammenbruch der Handelsplattform FTX im Herbst 2022 haben die Risiken aufgezeigt, die mit diesem System verbunden sind. Während europäische und internationale Regulierungsbehörden die Entwicklungen genau im Auge behalten, bleibt abzuwarten, wie die Regulierung die Vernetzung zwischen Krypto- und traditionellem Finanzsystem beeinflussen wird.
Die Aufsicht über Stablecoins und E-Geld-Token in Deutschland liegt in den Händen der BaFin, die in Zusammenarbeit mit der Bundesbank agiert. Dabei wird die Regulierung nach dem Prinzip „regulate and contain“ angegangen, um Ansteckungsrisiken zu minimieren. Die MiCAR, die am 29. Juni 2023 in Kraft trat, zielt darauf ab, einen harmonisierten europäischen Rechtsrahmen für nicht regulierte Kryptowerte zu schaffen. Ein spannendes, aber auch herausforderndes Unterfangen.
In diesem dynamischen Umfeld ist die konsequente und zügige Umsetzung der Regulierung von größter Bedeutung. Die Entwicklungen stehen erst am Anfang, und mit dem Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht, der internationale Standards für Banken im Kryptosystem erarbeitet, könnte es noch einige Veränderungen geben, die den Markt weiter beeinflussen.
