Steuerbeben in Südkorea: Die geplante Besteuerung von Buchgewinnen erschüttert den Markt
Heute ist der 24.06.2026. Wenn man an Südkorea denkt, kommen einem oft K-Pop, Technologie und eine dynamische Wirtschaft in den Sinn. Aber jetzt gibt es einen neuen Aufreger, der die Gemüter erhitzt – die geplante Besteuerung von nicht realisierten Gewinnen. Ja, richtig gehört! Am Dienstag hat die südkoreanische Nationalversammlung in einem Forum einen Vorschlag präsentiert, der Anleger auf Buchgewinne besteuern würde, die sie noch nicht durch einen Verkauf realisiert haben. Das könnte die steuerliche Landschaft im Land fundamental umkrempeln.
Ein nicht realisierter Gewinn ist der Buchgewinn, den man hält, bevor man seine Vermögenswerte verkauft. Bisher war es so, dass man nur beim Verkauf von Aktien zur Kasse gebeten wurde. Aber jetzt drängt eine Koalition aus verschiedenen Parteien, darunter die Demokratische Partei und die Progressive Partei, auf diese grundlegende Änderung. Zivilgesellschaftliche Gruppen wie der Koreanische Gewerkschaftsbund haben sich ebenfalls zu Wort gemeldet – das Thema schlägt hohe Wellen.
Schockwelle am Markt
Die Marktreaktion auf diesen Vorschlag war sofort negativ. Als die Nachricht durch die Medien ging, bezeichneten viele Trader den 23. Juni als Black Tuesday. Die Werte im KOSPI und im Gesamtindex fielen stark, und die Anleger sind nervös. Das große Sorgenkind ist, dass diese neue Regelung sie dazu zwingen könnte, Anteile zu verkaufen, um Steuerschulden zu begleichen. Und das könnte die langfristigen Investitionen und Altersvorsorge-Depots ordentlich ins Wanken bringen. Investoren fragen sich, ob Kapital in andere asiatische Märkte abfließen könnte.
Eine ähnliche Regelung gibt es bereits in den Niederlanden, wo eine jährliche Steuer auf nicht realisierte Gewinne eingeführt wurde. Kritiker warnen in diesem Zusammenhang, dass eine zu aggressive Besteuerung Innovationen ersticken und Talente ins Ausland treiben könnte. Ein tatsächliches Gesetz steht allerdings noch aus und muss durch die Nationalversammlung – da sind sich die Parteien noch nicht einig.
Südkorea als aufstrebender Markt
Will Hayes, Associate Portfoliomanager für Schwellenländeraktien, analysiert den südkoreanischen Aktienmarkt und beschreibt das Land als „entwickelter Schwellenmarkt“, der nicht so recht in eine Kategorie passt. Nach Jahren der Enttäuschung zeigen die letzten zwölf Monate positive Entwicklungen, die viele Investoren überrascht haben. Südkorea hat sich als Vorreiter in der Entwicklung Künstlicher Intelligenz etabliert, vor allem durch seine führenden Speicherhersteller. Die exportorientierte Wirtschaft ist durch die Nachfrage nach kritischen Produkten weiterhin interessant.
Speicherchips sind der wichtigste Exportartikel des Landes. Engpässe im Chipsektor führen zu steigenden Preisen, was ebenfalls die Marktbedingungen beeinflusst. Zwei südkoreanische Speicherhersteller machen mittlerweile über 50% des MSCI Korea aus und haben damit einen erheblichen Einfluss auf den Aktienmarkt. Die Reformen zur Corporate Governance, die Präsident Lee Jae Myung auf den Weg gebracht hat, zielen darauf ab, die Rechte von Aktionären zu stärken und die Unternehmensführung zu verbessern.
Die Zukunft im Blick
Die Zahl der Haushalte, die in Aktien investieren, hat sich in den letzten fünf Jahren verdreifacht – ein echter Boom! Kleinanleger haben in den letzten zwölf Monaten hohe Renditen erzielt, was aber auch die Volatilität erhöht. Der Vermögenstransfer in den Aktienmarkt ist für die Regierung von großer Bedeutung, um die Renten einer alternden Bevölkerung zu sichern. In diesem Kontext gewinnen Entwicklungen in der Robotik und Künstlichen Intelligenz an Bedeutung, die durch den demografischen Wandel gefördert werden.
Dennoch bleibt abzuwarten, ob die Reformen zur Corporate Governance den sogenannten „Korea-Rabatt“ sofort beseitigen können. Unternehmen müssen aktiv werden, um besser im Umgang mit Minderheitsaktionären zu werden. Eine Hochstufung Südkoreas auf den Status eines Industrielandes durch MSCI wird als unwahrscheinlich eingeschätzt, da der koreanische Won nicht vollständig frei konvertierbar ist und es Zugangsbeschränkungen für den Aktienmarkt gibt. Leerverkaufsverbote und Handelsrestriktionen könnten eine schnelle Hochstufung hemmen.
In Summe zeigt sich ein komplexes Bild, das sowohl Chancen als auch Herausforderungen für Anleger birgt. Die kommenden Monate könnten entscheidend werden, um zu sehen, wie sich die steuerlichen Rahmenbedingungen und die Marktlandschaft entwickeln.
