Stablecoins – ein Begriff, der in der letzten Zeit immer häufiger in unseren Nachrichten auftaucht und durchaus kontrovers diskutiert wird. Im Jahr 2019 hat Meta, ehemals Facebook, mit der Einführung des Stablecoins „Libra“ die Diskussion um digitale Währungen in Europa angeheizt. Seither ist die Besorgnis in der EU gewachsen, insbesondere bezüglich der geopolitischen Auswirkungen und den Risiken für die Finanzstabilität. Ein bedeutender Schritt in den USA war die Verabschiedung des GENIUS Act im Jahr 2025, der einen einheitlichen Rechtsrahmen für Stablecoins schaffen soll. Mit diesem Gesetz wird die rechtliche Sicherheit für Anbieter gestärkt und das Vertrauen der Nutzer gefördert.

Die EU hingegen hat am 13. Juli 2023 die Verhandlungen zur Einführung eines digitalen Euro begonnen, der ab dem 1. Januar 2027 verfügbar sein soll. Interessant ist, dass die USA und Europa unterschiedliche Ansätze zur Regulierung digitaler Währungen verfolgen. Während der GENIUS Act es Nichtbanken erlaubt, Stablecoins auszugeben – allerdings ohne die Möglichkeit, digitale US-Dollar direkt an die Öffentlichkeit auszugeben – schränkt die EU mit der MiCA-Verordnung die Entwicklung privat emittierter Euro-Stablecoins stark ein. Hier müssen Emittenten einen Großteil ihrer Sicherheiten in Bankeinlagen hinterlegen. Diese Maßnahme könnte dazu führen, dass der digitale Euro für Privatanleger strengen Auflagen unterliegt, wie etwa einer Begrenzung der Besitzmenge pro Person und dem Verbot von Zinsen.

Die Herausforderungen der Stabilität

Ein spannender Aspekt ist, dass Kryptowährungen im Gegensatz zu Bankeinlagen keine Zinsen zahlen, was Milton Friedman als eine Art Steuer für Geldinhaber bezeichnet hat. Regulierungen, die Zinszahlungen einschränken, könnten den Vorteil der Geschäftsbanken schützen. Schließlich trennen Stablecoins die Funktionen von Geldausgabe und Kreditvergabe: Emittenten schaffen Zahlungsmittel, vergeben jedoch keine Kredite. Die Effizienz und Kosteneffektivität von Stablecoins im grenzüberschreitenden Transfer ist unbestritten, doch Aufsichtsbehörden machen sich Sorgen, dass Einlagen von Geschäftsbanken abwandern und deren Kreditvergabe beeinträchtigen könnten.

Ein „schmales Bankenmodell“ wird von Experten vorgeschlagen, bei dem Emittenten digitale Währungen als Reserven bei der EZB hinterlegen. Dieses Modell könnte es ermöglichen, Stablecoin-Inhabern Zinsen auszuzahlen – allerdings zu einem niedrigeren Zinssatz als dem aktuellen Leitzins. Lucrezia Reichlin hat drei Modelle für die zukünftige Währungsarchitektur identifiziert: das bestehende System mit Geschäftsbanken, die direkte Ausgabe digitaler Währungen durch Zentralbanken und die Koexistenz mehrerer Institutionen, einschließlich spezialisierter Banken, die nur Geld ausgeben. Der digitale Euro, der durch EZB-Reserven gedeckt ist, könnte als gesunder Konkurrent im Finanzökosystem fungieren.

Geopolitische Dimensionen

Stablecoins entwickeln sich zunehmend zu einem geopolitischen Faktor im digitalen Finanzsystem. Ihre Auswirkungen auf nationale Kontrolle über Geld, Zahlungsflüsse und digitale Infrastruktur sind nicht zu unterschätzen. Aktuell hat der Markt ein Volumen von über 225 Milliarden US-Dollar erreicht, mit einem jährlichen Transaktionsvolumen von über sechs Billionen US-Dollar. Damit stehen Stablecoins in Konkurrenz zu traditionellen Finanzintermediären. Die Digital Euro Association (DEA) betrachtet Stablecoins aus vier Dimensionen: monetär, zahlungsbezogen, regulatorisch und digital. Hierbei wird deutlich, dass Stablecoins sowohl Chancen zur Stärkung der Souveränität bieten als auch diese untergraben können.

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Die Risiken, die insbesondere von aus dem Ausland ausgegebenen Stablecoins ausgehen, sind nicht zu vernachlässigen. Sie könnten die digitale Dollarisierung vorantreiben, geldpolitische Instrumente beeinträchtigen und zu einer Disintermediation von Banken führen. Daher versucht die MiCA-Verordnung, diesen Risiken mit Begrenzungen und Auflagen entgegenzuwirken. Durch gut regulierte Stablecoins könnten nationale Zahlungsnetzwerke widerstandsfähiger gemacht und Abhängigkeiten von internationalen Anbietern reduziert werden. Die Frage der digitalen Souveränität wird immer drängender, insbesondere in Anbetracht der möglichen Kontrollverluste über Zahlungsflüsse und Datenverarbeitung.

Die Entwicklungen im Stablecoin-Markt erfordern eine sorgfältige und vorausschauende Regulierung. Es bleibt spannend zu beobachten, inwieweit die politischen Gestaltungen in den USA und Europa die zukünftige Finanzsouveränität beeinflussen werden. Der Druck auf Europa wächst – und die Frage bleibt, ob der digitale Euro rechtzeitig bereit sein wird, um die Währungshoheit im digitalen Ökosystem zu wahren.