Die Regulierung von Kryptowährungen und insbesondere von Stablecoins nimmt in Großbritannien immer konkretere Formen an. Am 21. April 2023 legte das Finanzministerium einen Gesetzesentwurf vor, der Stablecoins mit traditionellen Zahlungsdiensten verknüpfen soll. Dies ist nur ein Teil einer umfassenden Strategie, die darauf abzielt, London als globalen Hub für regulierte digitale Zahlungsmittel zu etablieren. Ein zentraler Punkt dieser Gesetzesinitiative ist die klare Abgrenzung zwischen dem „Handel“ und den „Zahlungen“ mit Kryptoassets, um Doppelregulierungen zu vermeiden.
Am 15. April 2023 startete die Finanzaufsicht FCA eine Konsultation zur Abgrenzung des neuen Krypto-Regimes. Diese soll helfen, Zuständigkeitsüberschneidungen zwischen dem Finanzministerium, der Bank of England und der FCA zu klären. Die Konsultation endete am 3. Juni 2023 und wird entscheidend dafür sein, wie die künftigen Rahmenbedingungen für Krypto- und Stablecoin-Emittenten gestaltet werden.
Regulierung und Anforderungen an Stablecoins
Der Gesetzesentwurf bezieht sich auch auf die Sorgfaltspflicht für fiat-gedeckte Stablecoins, die künftig dieselben Anforderungen wie traditionelles E-Geld unter dem Financial Services and Markets Act (FSMA) 2000 erfüllen müssen. Die FCA wird für die Überwachung nicht-systemischer Stablecoins zuständig sein, wobei insbesondere die Einhaltung von Standards bei der Reserveverwaltung und den Rückgaberechten eine Rolle spielt. Emittenten von Stablecoins sollen zudem 40% ihrer Reserven als unverzinste Einlagen bei der Bank of England halten, was von der Branche jedoch als potenziell schädlich für die kommerzielle Tragfähigkeit kritisiert wird.
Die Bank of England hat in diesem Zusammenhang auch umstrittene Vorschläge für systemische Stablecoins gemacht, darunter Haltegrenzen für Privat- und Geschäftskunden. So wurde ein Limit von 20.000 Pfund für Privatanleger und 10 Millionen Pfund für Geschäftskonten vorgeschlagen.
Ein kohärenter Rahmen für digitale Zahlungen
Der Gesetzesentwurf vom 21. April behandelt ebenfalls tokenisierte Einlagen, um einen kohärenten Rahmen für traditionelle und tokenisierte Zahlungen zu schaffen. Zudem stellt die britische Regierung rund eine Million Pfund für Fintech-Pilotprojekte zu regulierten digitalen Zahlungsmitteln bereit. Dies zeigt, dass man nicht nur regulieren, sondern auch Innovationen im Fintech-Bereich fördern möchte.
Die Bank of England hat zudem die „Digital Securities Sandbox“ bis zum 8. Januar 2029 erweitert, was Krypto-Unternehmen neue Möglichkeiten eröffnet. Das Antragsfenster für Krypto-Unternehmen zur FSMA-Zulassung öffnet am 30. September 2026 und bleibt bis zum 28. Februar 2027 geöffnet. Dies gibt bestehenden und neuen Firmen fünf Monate Zeit, um ihre Zulassungsanträge einzureichen, bevor das vollständige Regelwerk am 25. Oktober 2027 in Kraft tritt.
Ein Blick über die britischen Grenzen hinaus
Der regulatorische Rahmen in Großbritannien ist Teil einer globalen Entwicklung. In Deutschland zum Beispiel beaufsichtigt die BaFin in Zusammenarbeit mit der Bundesbank die Emittenten von Stablecoins und E-Geld-Token. Die europäische Verordnung zur Regulierung von Märkten (MiCAR) wurde am 9. Juni 2023 veröffentlicht und soll einen harmonisierten Rechtsrahmen für nicht regulierte Kryptowerte schaffen. Diese Gesetzgebung ist besonders wichtig, um Ansteckungsrisiken mit dem traditionellen Finanzsystem zu minimieren und gleichzeitig Innovationen nicht zu behindern.
Die Regulierung der Kryptowährungen geschieht nach dem „regulate and contain“-Prinzip, um das System zu regulieren und die Risiken, die sich aus der Vernetzung mit dem traditionellen Finanzsystem ergeben, zu minimieren. Das Ziel ist klar: Die Finanzaufsicht möchte einen sicheren und stabilen Rahmen schaffen, in dem sowohl neue Technologien als auch bestehende Systeme weiterhin florieren können.
Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um zu beobachten, wie die britische Regierung und die FCA die Herausforderungen der Regulierung angehen und gleichzeitig die Dynamik und Innovationskraft der Krypto-Branche fördern können. Im internationalen Kontext bleibt es spannend, wie andere Länder auf diese Entwicklungen reagieren und ob sie ähnliche regulatorische Ansätze verfolgen werden.