Klangwelten der Psychedelika: Plain Drifter und Exdirectory im Fokus
Gestern war ein spannender Tag in der Musikszene, denn das Stoner-Trio aus Gelsenkirchen, Plain Drifter, hat sein zweites Album veröffentlicht. Die Band, die sich mit ihren psychodelischen und progressiven Tendenzen einen Namen gemacht hat, bietet eine Klangpalette, die nicht nur Fans von Elder oder King Buffalo ansprechen dürfte, sondern auch Grunge-Liebhaber in ihren Bann ziehen kann. Marcel „Uwe“ Kloß übernimmt die Leadvocals und trifft mit seinen Gesangsmelodien genau ins Schwarze – besonders in dem Stück ‚In Anima‘, das mit seiner dynamischen Struktur überzeugt. Philipp Seitzer sorgt mit seinen Keyboard-Klängen für die nötige atmosphärische Tiefe, während Gitarrist Nils Stecker Klänge erzeugt, die einen fast an ein Banjo erinnern. Die druckvolle und detailreiche Produktion von Robin Stirnberg rundet das Erlebnis ab.
Das Album ist mit sechs Kompositionen gespickt, darunter ein epischer siebenminütiger Track und ein kurzes instrumentales Interludium namens ‚Respite‘. Die Vielschichtigkeit der Stücke zeigt, dass die Band keine Scheu hat, mit verschiedenen Stilrichtungen zu experimentieren. Ganz im Sinne der aktuellen Musiklandschaft, die sich immer mehr in Richtung diverser Einflüsse entwickelt.
Eine neue Dimension des Sounds
Apropos Einflüsse: In diesem Zusammenhang muss man auch die Kölner Band Exdirectory erwähnen. Sie haben sich 2017 gegründet und bringen eine interessante Mischung aus Psychedelic Rock, Stoner Rock und Progressive in die Szene. Die fünf Musiker, die zuvor schon zusammen gespielt hatten, machten anfangs eher Indie/Alternative Rock. Doch zwischen 2020 und 2021 entwickelten sie eine Vorliebe für psychedelische Klänge, die in ihrem ersten Album „Forgotten Dreams, Forgotten Tales“ ihren Ausdruck fanden. Der Name der Band stammt übrigens von einem Begriff für nicht im Telefonbuch gelistete Nummern – eine amüsante Anekdote, die die kreative Wurzel der Gruppe widerspiegelt.
Die Songs von Exdirectory sind eine Reise durch laute Stoner-Rock-Parts, die oft in ruhige, atmosphärische psychedelische Passagen übergehen. Die Gitarristen schwingen Stratocaster-Gitarren, während der Keyboarder eine Vintage Korg CX-3 Orgel mit einem Leslie-Lautsprecher spielt. Unlängst haben sie eine EP namens „Vitamine“ veröffentlicht, die während einer improvisierten Live-Session aufgenommen wurde – ein Kunststück, das zeigt, wie vital und lebendig die Underground-Szene in Deutschland ist. Die Reaktionen des Publikums bei ihren Auftritten sind durchweg positiv, und die Band plant bereits die nächsten Konzerte, um ihre Musik weiter zu verbreiten.
Psychedelische Wurzeln und ihre Einflüsse
Wenn wir über Psychedelic Rock sprechen, kommen wir nicht umhin, auf seine Wurzeln zu verweisen. Entstanden in der Bay Area um San Francisco in den frühen 1960er Jahren, war dieser Musikstil eng mit der Hippiebewegung verbunden. Die damalige Zeit war geprägt von akustischer Folkmusik, die von Beatniks im Haight-Ashbury Viertel beeinflusst wurde. Der Einfluss von Bands wie den Byrds oder The Doors, die den psychedelischen Sound mit ihren eigenen kreativen Ideen vermischten, ist bis heute spürbar. Die Beatles experimentierten in ihren Alben, und die Entwicklung des Psychedelic Rock war ein Paradebeispiel für die Verschmelzung von verschiedenen Musikrichtungen.
Die musikalische Landschaft hat sich seither enorm verändert, doch der Geist des Psychedelic Rock lebt weiter – in den Klängen von Plain Drifter und Exdirectory ebenso wie in vielen anderen modernen Bands. Es ist eine aufregende Zeit für Musikliebhaber, die das Experimentieren und die Vielfalt der Genres schätzen. Wer weiß, vielleicht steht uns ja ein weiteres Revival bevor, das die Zuhörer erneut in hypnotische Klangwelten entführt.
