Das Thema der Unternehmensbesteuerung ist immer wieder ein heißes Eisen – und wenn es um Giganten wie Microsoft geht, wird die Sache noch spannender. In einem aktuellen Bericht, der im Rahmen der EU-Transparenzrichtlinie 2021/2101 veröffentlicht wurde, hat Microsoft zum ersten Mal offengelegt, wie viel Steuern der Konzern in Europa zahlt und wo genau das Geld hinfließt. Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Deutschland hat es im Vergleich zu Irland nicht gerade leicht.

Für das Geschäftsjahr 2024/25 hat Microsoft in Deutschland einen Umsatz von rund 11,7 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet, mit einem Vorsteuergewinn von 661 Millionen US-Dollar. Das klingt erst mal nach einer ordentlichen Summe, doch die Steuerzahlungen, die Deutschland dafür erhält, sind mit lediglich 221 Millionen US-Dollar ziemlich mickrig. Im Gegensatz dazu wird fast der gesamte Steuerbeitrag, etwa 6,6 Milliarden US-Dollar, in Irland gezahlt, wo Microsoft eine effektive Steuerquote von etwa 14 Prozent hat. Das führt dazu, dass Deutschland nur einen Bruchteil der EU-Steuern erhält – 620 Millionen US-Dollar verteilen sich auf die restlichen 25 EU-Staaten.

Die Zahlen sprechen Bände

Eine interessante Facette ist die Pro-Kopf-Statistik: Während ein Mitarbeiter in Irland rechnerisch beeindruckende 29,5 Millionen US-Dollar erwirtschaftet, sind es in Deutschland gerade mal 3,4 Millionen US-Dollar. Solche Vergleiche machen deutlich, wo die Prioritäten des Unternehmens liegen. Irland fungiert als zentraler Hub für Microsofts EU-Geschäft und verwaltet dabei nicht nur Lizenzen, sondern auch das geistige Eigentum und interne Finanzen. Der Standort Irland zieht nahezu 90 Prozent der EU-Steuern an – kein Wunder, dass die dortige Steuerquote unter dem OECD-Mindeststeuersatz von 15 Prozent liegt.

Im Vergleich dazu hat Deutschland mit einer effektiven Steuerquote von etwa 33 Prozent einen relativ hohen Satz. Das wirft Fragen auf, ob es wirklich gerecht ist, dass solche großen Unternehmen ihre Steuerlast so stark minimieren können. Microsoft selbst erklärt, dass Steuern dort gezahlt werden, wo auch die Mitarbeiter tätig sind. Doch die Zahlen zeigen ein anderes Bild: Deutschland hat 3.471 Mitarbeiter und erwirtschaftete 11,68 Milliarden US-Dollar Umsatz, aber der Vorsteuergewinn bleibt bei 661,2 Millionen US-Dollar. Die deutschen Einheiten konzentrieren sich hauptsächlich auf Vertrieb, Marketing, administrative Unterstützung und Forschung und Entwicklung.

Die EU im Blick

Die EU-Kommission fordert bereits seit einiger Zeit Reformen zur Besteuerung von US-Digitalkonzernen, um Steuerschlupflöcher zu schließen und eine faire Besteuerung am Ort der Wertschöpfung zu gewährleisten. Diese Diskussion wird durch die neuen Zahlen von Microsoft nur noch befeuert. Im Geschäftsjahr 2025 zahlte Microsoft 6,3 Milliarden US-Dollar an Körperschaftsteuern in der EU, wobei Deutschland mit 174,2 Millionen US-Dollar wieder nur einen kleinen Anteil erhielt. Der Großteil der Steuerzahlungen, etwa 5,6 Milliarden US-Dollar, landete erneut in Irland, wo Microsoft seine Europazentrale hat.

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Besonders spannend ist, dass Microsoft weltweit 28,7 Milliarden US-Dollar an Körperschaftsteuern zahlte, was sie hinter Apple auf den zweiten Platz unter den US-Tech-Konzernen katapultiert. Trotz dieser beeindruckenden Summen warnt Microsoft jedoch davor, einzelne Zahlen zu überinterpretieren, da der Zeitpunkt der Steuerberechnung und der tatsächlichen Zahlung oft abweichen. In Frankreich sieht die Sache noch merkwürdiger aus: Bei einem Umsatz von 6,67 Milliarden US-Dollar weist Microsoft einen negativen Betrag von minus 96,4 Millionen US-Dollar bei den gezahlten Steuern aus, was auf Rückerstattungen zurückzuführen ist. Komisch, oder?

Die nächsten Schritte in dieser Debatte sind absehbar. Microsofts länderbezogener Steuerbericht für das Geschäftsjahr 2025/26 wird mit Spannung erwartet. Vielleicht bringt er ja etwas Klarheit oder zumindest ein paar neue Überraschungen mit sich. Irgendwie bleibt die Frage, ob es für Deutschland und die anderen EU-Staaten jemals eine gerechte Lösung geben wird. Die Zukunft der Unternehmensbesteuerung in Europa bleibt jedenfalls spannend.