Die regulatorische Landschaft für Krypto-Geldautomaten in Kanada steht vor einem grundlegenden Wandel. Die Liberale Partei des Landes hat ein nationales Verbot dieser Geldautomaten angekündigt, um gegen Betrug und illegale Geldtransfers vorzugehen. Kanada hat derzeit mit fast 4.000 Krypto-Geldautomaten die höchste Dichte pro Kopf weltweit und ist damit ein Hotspot für Kryptowährungsaktivitäten. Diese Automaten werden zunehmend als Werkzeug für Kriminelle angesehen, die sie nutzen, um ihre illegalen Geschäfte zu tarnen.
In einem kürzlich veröffentlichten Frühjahrs-Wirtschaftsbericht hat die Liberale Partei klargestellt, dass Krypto-Geldautomaten als „primäre Methode für Betrüger, um Opfer zu täuschen“ betrachtet werden. Laut einer Untersuchung von CBC News aus dem Jahr 2023 haben sich diese Automaten als führendes Mittel für Betrug etabliert, wobei die kanadische Finanzbehörde FINTRAC feststellt, dass Transaktionen unter 1.000 Dollar oft nur mit einer Telefonnummer und ohne menschliche Kontrolle zur Betrugserkennung durchgeführt werden können.
Der Kampf gegen Finanzkriminalität
Das geplante Verbot von Krypto-Geldautomaten ist nur ein Teil eines umfassenderen Maßnahmenpakets der kanadischen Regierung zur Bekämpfung von Finanzkriminalität. Missbrauchsfälle wie Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Sanktionsumgehung haben zu der Entscheidung geführt, diese Automaten zu regulieren. Die Regierung plant außerdem die Gründung einer neuen Financial Crimes Agency mit Sitz in Ottawa, die über einen Zeitraum von fünf Jahren mit insgesamt 352,7 Millionen CAD (ca. 257 Millionen USD) ausgestattet werden soll.
Die Kanadier werden jedoch nicht vollständig von Kryptowährungen ausgeschlossen. Es bleibt ihnen erlaubt, digitale Währungen über lizenzierte Gelddienstleister wie Devisenhändler und Geldtransferdienste zu erwerben. Auch der Einkauf in stationären Geschäften bleibt weiterhin möglich. Dennoch gibt es noch keine konkreten Details zur Umsetzung des Verbots oder zum Inkrafttreten dieser Maßnahmen.
Internationale Trends und Entwicklungen
Kanada folgt einem globalen Trend, in dem immer mehr Länder gegen Krypto-Geldautomaten vorgehen. Im Vereinigten Königreich wurden nicht registrierte Krypto-ATMs bereits verboten, und in Australien werden diese als risikoreich für Geldwäsche eingestuft. Neuseeland hat ebenfalls Schritte unternommen, um Krypto-Geldautomaten zu regulieren, indem es diese im Juli 2025 verboten hat. Sogar in den USA haben einige Bundesstaaten entsprechende Gesetze verabschiedet oder Krypto-ATMs ganz verboten.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Jahr 2024 meldeten Opfer in Kanada Verluste von 14,2 Millionen CAD durch Krypto-ATM-Betrug, und im ersten Quartal 2025 lagen die gemeldeten Verluste bereits bei 4,2 Millionen CAD. Besonders Senioren sind häufig Ziel solcher Betrugsmaschen. Die FINTRAC hat die Krypto-ATMs als primäres Werkzeug für Betrug und Geldwäsche identifiziert, was die Dringlichkeit dieser Maßnahmen unterstreicht.
Mit diesen neuen Regulierungsvorschlägen steht Kanada an der Spitze der internationalen Bemühungen, die Krypto-Branche zu regulieren und die Finanzkriminalität zu bekämpfen. Die kommenden Monate werden zeigen, wie und wann die Regierung die geplanten Maßnahmen umsetzen wird und welche Auswirkungen dies auf die Krypto-Landschaft in Kanada haben wird.