Die Diskussion um den Clarity Act, ein bedeutendes US-Krypto-Marktstrukturgesetz, hat in den letzten Wochen an Fahrt gewonnen. JPMorgan hat jetzt Bedenken geäußert, dass der Gesetzesentwurf in diesem Jahr möglicherweise nur ein begrenztes Zeitfenster für die Verabschiedung hat. Das hängt vor allem mit dem bevorstehenden Kongresskalender und den anstehenden Zwischenwahlen zusammen, die den Fortschritt der Gesetzgebung erheblich verzögern könnten. Am 14. Mai wurde der Gesetzentwurf zwar im Ausschuss für Bankwesen des Senats genehmigt, doch er benötigt nun noch die Zustimmung von 60 Senatoren und muss mit der Gesetzgebung des Repräsentantenhauses abgeglichen werden. Und das ist noch nicht alles – auch die Unterschrift des Präsidenten steht aus.

Die Erwartungen an eine Verabschiedung in diesem Jahr sind gesunken, und das nicht ohne Grund: Ein zunehmender Widerstand aus der Bankenbranche macht der Kryptoindustrie zu schaffen. Ein vor den Zwischenwahlen erzielter Kompromiss könnte sich inhaltlich stark von einem nach den Wahlen ausgehandelten unterscheiden. Es ist also spannend, ob und wie dieser Gesetzentwurf, der als wichtigste gesetzgeberische Priorität der Kryptoindustrie gilt, tatsächlich zur Realität wird. Befürworter argumentieren, dass der Clarity Act die Unsicherheit über die Regulierung von Kryptowährungen beseitigen würde und klare Regeln für Emittenten, Börsen und Investoren schaffen könnte.

Der Streit um Stablecoins

Ein zentraler Streitpunkt in den Verhandlungen ist die Behandlung von Erträgen aus Stablecoins. Die Gesetzgebung zielt darauf ab, „passive“ Erträge, sprich Zinsen auf Stablecoin-Bestände, zu verbieten, während aktivitätsbasierte Belohnungen erlaubt bleiben sollen. Interessant dabei ist, dass die aktuelle Formulierung des Gesetzesentwurfs in Bezug auf das Verbot von Zinsen auf Bestände weniger eindeutig ist. Banken fordern strengere Auflagen für Stablecoin-Emittenten, während Krypto-Unternehmen nach mehr Flexibilität streben. JPMorgan sieht den Streit um die Regelung von Stablecoin-Renditen als großes Hindernis für den Fortschritt der Gesetzgebung. Sollte es tatsächlich zu wirksamen Grenzen für passive Stablecoin-Renditen kommen, könnte das den Trend zu tokenisierten Staatsanleihen und digitalen Geldmarktfonds beschleunigen.

Ein neues Gesetz würde Stablecoin-Anbietern das Auszahlen von Zinsen an Token-Inhaber verbieten. Bisher war das Auszahlen von Zinsen unüblich, da die Emittenten die Erträge als Gewinn behalten. Der Passus im Gesetz könnte darauf abzielen, einen starken Konkurrenzkampf um Anleger zu verhindern. Trotzdem können Anleger weiterhin mit Stablecoins Geld verdienen, indem sie ihre Token über Handelsplätze wie Aave verleihen. Bei diesem Lending werden Zinsen gezahlt, die je nach Handelsplatz, Stablecoin und Anlagedauer variieren. Für USDT und USDC kann über Aave ein jährlicher Zins von über drei Prozent erzielt werden – ein attraktives Angebot in der aktuellen Marktlage.

Die Unsicherheit bleibt jedoch groß. Der aktuelle Gesetzestext lässt aufgrund fehlender ausdrücklicher Verbote von Zinsen auf Guthaben Interpretationsspielraum. Ob dieser Raum genutzt wird, um innovative Lösungen zu finden oder ob er eher zu Verwirrung führt, bleibt abzuwarten. Die Kryptoindustrie steht vor einer entscheidenden Phase, in der klare Richtlinien nicht nur für die Anleger, sondern auch für die allgemeine Marktentwicklung von höchster Bedeutung sind. Die nächsten Monate könnten also entscheidend dafür sein, wie der Krypto-Markt in den USA sich weiterentwickelt und ob er in der Lage ist, international wettbewerbsfähig zu bleiben.

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