Am Dienstag wurde der Bitcoin-Kurs ordentlich durchgeschüttelt. Zum ersten Mal seit Anfang April rutschte er unter die 70.000-Dollar-Marke und landete schließlich bei 67.890 Dollar. Ein Rückgang von etwa 5 Prozent binnen weniger Stunden – das ist schon ein ordentliches Stück. Grund für diese Talfahrt ist der Verkauf von Bitcoin durch die Investmentfirma Strategy, die unter der Leitung von Michael Saylor steht. Der Verkauf summierte sich auf rund 2,5 Millionen Dollar und war der erste seiner Art seit 2022. Markanalyst Timo Emden merkt an, dass die Signalwirkung dieses Verkaufs sogar gewichtiger ist als die Höhe des Betrags. Anleger werden daran erinnert, dass Überzeugungen im Krypto-Markt nicht in Stein gemeißelt sind, und das macht die Stimmung ziemlich angespannt.
Der Iran-Konflikt schwebt zudem wie ein dunkler Schatten über dem Kryptomarkt. In unsicheren Zeiten schalten Investoren oft in den Verteidigungsmodus und meiden riskante Anlagen. Und das hat natürlich einen unmittelbaren Einfluss auf die Preisentwicklung von Bitcoin. Es ist ein bisschen wie ein Schachspiel, bei dem jeder Zug genau überlegt sein will.
Die Situation von Michael Saylor
Michael Saylor selbst steht unter immensem Druck. Seine massiven Investitionen in Bitcoin, die teilweise auf Kredit finanziert sind, bringen ihn in eine prekäre Lage. Ein Verkaufszwang könnte die Lage für ihn und seine Firma Strategy noch weiter verschärfen. Interessanterweise hält Saylor mehr als 700.000 Bitcoins. Im vergangenen Sommer waren diese noch rund 30 Milliarden Dollar über dem Kaufpreis bewertet. Heute hingegen liegt der aktuelle Wert bei etwa 50,5 Milliarden Dollar – das sind über 3 Milliarden Dollar weniger als die 54 Milliarden Dollar, die seit 2020 in den Kauf geflossen sind. Das ist ein ganz schöner Absturz für ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell jetzt an einem kritischen Punkt angelangt ist.
Die Kritiker, darunter der bekannte Finanzexperte Peter Schiff, haben längst ihr Urteil gefällt. Sie sind nicht zimperlich und werfen Saylor vor, die Erwartungen nicht erfüllen zu können. Was viele nicht bedenken: Michael Saylor sieht Bitcoin als das „Geld des 21. Jahrhunderts“ und ist fest entschlossen, andere Unternehmen davon zu überzeugen, ihm zu folgen. Das ist eine ziemlich mutige, wenn nicht gar riskante Strategie.
Risiken und Chancen auf dem Markt
Immer mehr börsennotierte Unternehmen ziehen ebenfalls in Betracht, Bitcoin in ihre Geschäftsstrategien zu integrieren – oft auf Kredit. Diese Schuldenfinanzierung kann jedoch zu einer gefährlichen Kettenreaktion führen, sollte der Bitcoin-Kurs weiter fallen. Strategy hat beispielsweise am 30. Juni 4.980 BTC für rund 532 Millionen US-Dollar gekauft und hält jetzt insgesamt über 597.000 BTC, was mehr als 70 Milliarden Dollar entspricht. Ein plötzlicher Preisverfall könnte für viele neue Marktteilnehmer katastrophale Folgen haben.
Im zweiten Quartal 2025 haben 125 börsennotierte Unternehmen Bitcoin gekauft, darunter 46, die dies zum ersten Mal taten. Sie haben zusammen über 847.000 BTC im Wert von fast 100 Milliarden Dollar angesammelt. Michael Saylor hat seine Schulden so strukturiert, dass nicht alle Anleihen gleichzeitig fällig werden, was ihm ein wenig Luft verschafft. Der durchschnittliche Kaufpreis seiner BTC-Reserven liegt bei etwa 72.000 Dollar – und damit unter dem aktuellen Marktpreis.
Die Aktienkurse von Strategy sind seit 2020 von 12 auf über 420 Dollar gestiegen. Doch wie lange kann dieser Aufwärtstrend noch anhalten? Saylor selbst glaubt, dass Bitcoin innerhalb von 21 Jahren auf 21 Millionen Dollar pro Coin steigen könnte. Ob diese Prognose mehr als ein Wunschtraum ist, bleibt abzuwarten. Die Unsicherheit bleibt hoch, und die nächsten Schritte in der Krypto-Welt werden spannend zu beobachten sein.