Die Welt der Kryptowährungen hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Besonders die Tokenisierung realer Vermögenswerte ist ein heißes Thema, das in der stagnierenden Kryptobranche als Wachstumstreiber gilt. Eine aktuelle Prognose der US-Großbank Citi lässt aufhorchen: Bis 2030 könnte der Markt für tokenisierte Wertpapiere auf stolze 5,5 Billionen Dollar anwachsen – von derzeit gerade einmal 17 Milliarden Dollar. Das ist eine gewaltige Steigerung, die vielen Investoren Hoffnung gibt.

In der Schweiz hat das Fintech DFX eine spannende Initiative gestartet, die die Tokenisierung von Aktien vorantreibt. Mit einer neuen App können Nutzer tokenisierte Aktien erwerben und verwahren – und das ganz bequem per Banküberweisung. Die App verbindet das Bankkonto direkt mit der Blockchain, was eine vollständige Verwahrung der Token beim Anleger ermöglicht. Hierbei werden die Anteile des Unternehmens RealUnit tokenisiert, das in Sachwerte wie Dividendenaktien, Edelmetalle, Immobilien und Bitcoin investiert. Die DFX-Lösung bietet einen direkten Zugang zu diesen Aktien, wobei der Token als Namenaktie der RealUnit AG auf der Ethereum-Blockchain fungiert.

Tokenisierung für jedermann

Was macht die Tokenisierung so besonders? Sie könnte Investieren für Kleinanleger interessant machen, die bisher oft vor einer hohen Eintrittsbarriere standen. Nehmen wir das Beispiel eines Gemäldes von Gerhard Richter im Wert von 2 Millionen Euro: Der Besitzer benötigt 200.000 Euro Liquidität, um es zu erwerben. Das ist für die meisten Menschen unerreichbar. Tokenisierung könnte diesen Markt aufbrechen und ihn zugänglicher machen. Vermögenswerte, die oft unteilbar und illiquide sind, könnten durch digitale Anteile, die auf der Blockchain gehandelt werden, demokratisiert werden.

DFX hat bereits einen ersten Schritt gemacht: Rund zehn Prozent der Aktien von RealUnit werden bereits als Token gehalten. Die App richtet sich vor allem an systemkritische Personen über 45 Jahre, die wenig Erfahrung mit Blockchain-Technologie haben. Die Kundenprüfung (KYC) erfolgt in der Regel in Minuten – schnell und einfach. DFX bedient bereits 30.000 Kunden und generiert ein Handelsvolumen von 100 Millionen Franken pro Jahr. Das ist kein kleiner Fisch im Teich der Kryptowährungen!

Der Einfluss der Tokenisierung auf die Finanzindustrie

Die Tokenisierung könnte die gesamte Finanzindustrie revolutionieren. Durch die digitale Abbildung physischer oder traditioneller Vermögenswerte auf der Blockchain wird der Zugang global und die Handelbarkeit steigt. Experten sehen in diesem Prozess ein disruptives Potenzial, das mit der Einführung von Streamingdiensten wie Spotify und Netflix vergleichbar ist. Eigentumsübertragungen tokenisierter Vermögenswerte könnten schneller und kostengünstiger ablaufen als bei klassischen Wertpapieren, die oftmals Stunden oder sogar Tage zur Abwicklung benötigen.

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Doch nicht alles ist Gold, was glänzt. Kritiker warnen vor überzogenen Erwartungen. Viele Blockchain-Projekte sind komplex und benötigen eine solide Infrastruktur sowie vertrauenswürdige Anbieter, um massentauglich zu werden. In Deutschland beispielsweise gilt man als Vorreiter bei digitalen Wertpapieren, aber auch hier gibt es Herausforderungen, vor allem in Bezug auf die Regulatorik und die Integration in bestehende Systeme.

Die Zukunft der Tokenisierung

Die Nachfrage nach Sachwerten hat durch geopolitische Veränderungen und Inflationserwartungen zugenommen. Daniel Stüssi, CEO von RealUnit, sieht jedoch kein großes Interesse an der Tokenisierung von Aktien bei Schweizer KMUs. Trotzdem plant DFX, das Angebot weiter auszubauen und zusätzliche Aktien zu tokenisieren. Die Entwicklung bleibt spannend und es bleibt abzuwarten, ob die Finanzindustrie ihren „Spotify-Moment“ erleben wird. Eines steht fest: Die Welt der Tokenisierung ist noch lange nicht zu Ende erzählt.