Krypto am Scheideweg: Der CLARITY Act und die Zukunft der digitalen Währungen in den USA
Heute ist der 27.04.2026 und der Krypto-Markt in den USA steht vor einer entscheidenden Wende. Der US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, den CLARITY Act zu unterzeichnen, sobald das Krypto-Marktstrukturgesetz vorliegt. Doch der Weg zur Unterzeichnung ist steinig und voller Hürden. Der Digital Asset Market Clarity Act of 2025, der im Juli 2025 mit 294-134 Stimmen im Repräsentantenhaus verabschiedet wurde, steckt derzeit im Senat fest. Senator Cynthia Lummis warnte bereits vor den drohenden Konsequenzen eines Scheiterns: Sollte das Senate Banking Committee bis zum 25. April kein Markup vorlegen, könnte das Gesetz bis 2030 aufgeschoben werden.
Die Frist für das Markup ist nun verstrichen, und mit dem Memorial Day Recess, der am 21. Mai 2026 beginnt, drängt die Zeit. Fünf Schritte sind notwendig, bevor Trump den CLARITY Act unterzeichnen kann: von der Behandlung im Senate Banking Committee unter dem Vorsitz von Tim Scott bis hin zur finalen Abstimmung im Senat. Senator Bernie Moreno hat kürzlich betont, dass der CLARITY Act bis Ende Mai durch den Kongress muss, um nicht in der politischen Hektik der Midterms am 3. November 2026 unterzugehen.
Regulatorische Unsicherheiten und der Streit um Stablecoins
Das Gesetz könnte die erste umfassende Regelung für den Kryptowährungsmarkt in den USA bringen oder, im schlimmsten Fall, die Branche in einer regulatorischen Grauzone belassen. Die Krypto-Industrie ist gespalten: Während die Digital Chamber und 120 Krypto-Firmen ein sofortiges Markup fordern, haben prominente Stimmen wie Coinbase-CEO Brian Armstrong ihre Unterstützung zurückgezogen und mehrere Einwände gegen den aktuellen Gesetzesentwurf geäußert. Besonders umstritten ist die Debatte um Stablecoins, bei der Banklobbyisten Senatoren überzeugt haben, gegen Stablecoin-Reward-Programme zu stimmen.
Der CLARITY Act sieht ein dreikategoriales Klassifizierungssystem für digitale Vermögenswerte vor: Wertpapiere unterliegen der SEC, digitale Rohstoffe der CFTC und Stablecoins einer gemeinsamen Aufsicht von beiden. Diese Regelung könnte die Zuständigkeit der CFTC erheblich erweitern, indem sie die Aufsicht über den Spotmarkt für digitale Rohstoffe übernimmt. Zudem enthält der Gesetzesentwurf Bestimmungen für dezentrale Finanzierungen (DeFi), wobei Aktivitäten auf Protokollebene von den regulatorischen Anforderungen ausgenommen sind.
Der GENIUS Act und der Einfluss auf Stablecoins
Parallel zum CLARITY Act hat der US-Senat den GENIUS Act verabschiedet, der erstmals umfassende Regelungen für Stablecoins schafft. Der Gesetzentwurf hat bereits Unterstützung im Repräsentantenhaus gefunden, wo er mit 68-30 Stimmen angenommen wurde. Zu den Anforderungen an Emittenten von Stablecoins gehören monatliche Offenlegung der Reservezusammensetzung sowie klare Einlöseregeln und jährliche Audits. Diese Maßnahmen könnten das Vertrauen in den Stablecoin-Markt stärken und für mehr Transparenz sorgen. Besonders Tether (USDT) mit seinem 62% Marktanteil könnte Schwierigkeiten haben, die neuen Anforderungen zu erfüllen.
Insgesamt ist der Markt für Kryptowährungen derzeit 2,6 Billionen USD schwer, mit 317 Milliarden USD in Stablecoins. Prognosen deuten darauf hin, dass der Bitcoin-Preis innerhalb von 60 Tagen nach Verabschiedung des CLARITY Act bis auf 90.000 USD steigen könnte, was die Wichtigkeit regulatorischer Klarheit unterstreicht. Die nächsten vier Wochen sind entscheidend: Ohne Markup bis Mitte Mai könnte das Fenster für eine Verabschiedung bis nach den Midterms schließen.
Für die Krypto-Branche könnte die Verabschiedung des CLARITY Act nicht nur eine rechtliche Grundlage schaffen, sondern auch einen Boom bei Stablecoins und digitalen Vermögenswerten im Allgemeinen auslösen. Die politischen Entwicklungen sind daher nicht nur für Investoren von Bedeutung, sondern könnten auch weitreichende Folgen für die gesamte Finanzlandschaft der USA haben.
