Klarheit oder Chaos? Der Kampf um den Clarity Act und die Zukunft der Stablecoins
Aktuell, am 1. Juli 2026, sieht es düster aus für den Clarity Act im US-Senat. Die Hoffnung auf eine zeitnahe Unterzeichnung schwindet zusehends. Galaxy Research hat die Wahrscheinlichkeit, dass das Gesetz 2026 tatsächlich unterzeichnet wird, auf nur noch 50% gesenkt. Ein Blick auf den Prognosemarkt Polymarket zeigt sogar einen noch geringeren Optimismus: Die Chancen liegen nur bei 39%. Dabei soll der Clarity Act klären, wann digitale Assets als Wertpapiere von der SEC oder als Rohstoffe von der CFTC behandelt werden. Während Bitcoin und Ether klar unter die Aufsicht der CFTC fallen, wird der Verkauf klassischer Token weiterhin der SEC unterstellt.
Die Situation rund um Stablecoins ist ebenfalls angespannt. Der GENIUS Act, der als Antwort auf die wachsenden Herausforderungen im Stablecoin-Markt gilt, hat bereits Unterstützung im Repräsentantenhaus gefunden. Er wurde am 17. Juni 2025 mit 68 zu 30 Stimmen angenommen. Doch bevor dieser Gesetzesentwurf auch in Kraft treten kann, muss er noch durch das Repräsentantenhaus. Und hier wird es knifflig, denn der Senat benötigt für eine Floor-Vote 60 Stimmen – darunter etwa sieben von den Demokraten. Unterstützung kommt jedoch von Senatoren wie Thom Tillis und Angela Alsobrooks, die sich für einen Kompromiss im Bereich Stablecoins aussprechen.
Das Ringen um den Clarity Act
Schon seit dem 1. Juni 2026 steht der Clarity Act auf dem Senate Legislative Calendar, aber die Diskussionen rund um das Gesetz sind von Kontroversen geprägt. Besonders die Ethik-Klausel sorgt für Unruhe. Diese soll Amtsträgern private Krypto-Geschäfte untersagen, was wiederum auf Widerstand stößt. Senatorin Kirsten Gillibrand und Senator Chris Van Hollen von den Demokraten machen ihre Zustimmung vom Schicksal dieser Klausel abhängig. Das Weiße Haus hat bereits signalisiert, dass es Klauseln ablehnt, die sich auf einzelne Personen beziehen.
Eine Vielzahl von Änderungsanträgen hat die Verhandlungen über das Banking-Markup ins Stocken gebracht. Über 100 Anträge haben den Prozess erheblich verzögert. Und wenn man den Warnungen der Investmentbank Jefferies Glauben schenken mag, könnten die Folgen eines gescheiterten Abstimmungsversuchs vor der August-Pause gravierend sein. Senatorin Cynthia Lummis hat sogar angedeutet, dass 2030 die letzte realistische Chance für eine Verabschiedung des Clarity Acts sein könnte. Selbst wenn das Gesetz erfolgreich unterzeichnet wird, könnte die Umsetzung der Regeln ein weiteres Jahr oder länger auf sich warten lassen.
Stabilität durch den GENIUS Act
Der GENIUS Act könnte der Gamechanger für den Stablecoin-Markt werden. Mit Anforderungen an Emittenten, darunter monatliche Offenlegung der Reservezusammensetzung und klare Einlöseregeln, zielt der Gesetzesentwurf darauf ab, mehr Transparenz und Sicherheit in einen bislang recht unregulierten Markt zu bringen. Strenge Auflagen zur Geldwäscheprävention und Sanktions-Compliance sind ebenfalls Teil des Plans. Die Marktkapitalisierung der Stablecoins liegt momentan bei etwa 250 Milliarden US-Dollar, angeführt von Tether (USDT) mit einem Marktanteil von 62%.
Es wird spannend, ob Tether in der Lage sein wird, die neuen Anforderungen zu erfüllen, während Unternehmen wie Circle (USDC) und Ripple eher profitieren könnten. Kurzfristig könnte ein Wettbewerb zwischen USDT und USDC entstehen, da Investoren die regulatorischen Vorgaben im Blick haben. Langfristig erhoffen sich viele einen Boom bei Stablecoins, da große Unternehmen eigene Stablecoins entwickeln könnten. In Europa hat die EU mit der MiCA-Verordnung bereits einen regulatorischen Rahmen für Stablecoins geschaffen.
Alles in allem steht der Clarity Act in einem Schatten der Unsicherheit und der GENIUS Act könnte die Wende bringen, die der Markt so dringend braucht. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, ob die Regulierungen tatsächlich an die Realität angepasst werden können – und ob wir die versprochene Klarheit jemals erhalten werden.
