Der Krypto-Horizont Vietnams hat sich kürzlich mit frischen Ideen und regeltechnischen Neuerungen gefüllt. Am 5. Juni 2026 fand das Seminar „Kryptowährungen und die Zukunft des digitalen Finanzmarktes“ statt, organisiert von der Staatlichen Wertpapierkommission. Hier war Herr To Tran Hoa, der stellvertretende Vorsitzende des Ständigen Ausschusses des Verwaltungsrats für den Kryptowährungshandel, am Puls der Zeit und sprach über die Entwicklung eines neuen Rechtsrahmens für den Kryptowährungsmarkt in Vietnam. Ein Spannungsfeld, das nicht nur Fachleute, sondern auch interessierte Investoren in seinen Bann zieht.
Ein zentrales Thema war die Regulierung der Ausgabe von Krypto-Assets, die künftig durch reale Vermögenswerte gedeckt sein müssen – Wertpapiere und Fiatwährungen bleiben außen vor. In der Anfangsphase dürfen diese Krypto-Assets lediglich ausländischen Investoren angeboten werden, und die Handelsaktivitäten sind auf lizenzierte Krypto-Asset-Dienstleister (VASPs) beschränkt. Nach sechs Monaten, in denen die ersten VASPs ihre Lizenz erhalten haben, wird auch inländischen Investoren der Zugang eröffnet. Das Ziel? Internationales Kapital anziehen und gleichzeitig die Risiken für die heimischen Anleger minimieren. Ein gewagter Schritt, der durchdacht und vorsichtig gestaltet werden muss.
Ein rechtlicher Rahmen für digitale Vermögenswerte
Am 1. Januar 2026 tritt ein neues Gesetz in Kraft, das die digitale Technologiebranche in Vietnam reguliert und Kryptowährungen formell anerkennt. Dieses Gesetz unterteilt digitale Vermögenswerte in zwei Kategorien: virtuelle Vermögenswerte, die zum Tausch oder als Investition genutzt werden, und Krypto-Vermögenswerte für Transaktionsvalidierung und Eigentum auf Basis von Verschlüsselungstechnologie. Um regulatorische Überschneidungen zu vermeiden, werden Wertpapiere und digitale Darstellungen von Fiat-Währungen ausgeschlossen. Die vietnamesische Regierung übernimmt die Verantwortung für die Klassifizierung und Managementkriterien dieser digitalen Vermögenswerte.
Mit einer Krypto-Besitzquote von 20,3 Prozent der Bevölkerung ist Vietnam auf den Plätzen fünf weltweit – das ist eine der höchsten Raten, die man sich nur wünschen kann! Die Zahlen sind beeindruckend: Bis 2026 wird die Zahl der Kryptonutzer in Vietnam auf schätzungsweise 21,71 Millionen ansteigen. Chris Chiew von der Vietnam Prosperity Cryptocurrency Exchange Joint Stock Company (CAEX) hebt die vorteilhaften Voraussetzungen für den Krypto-Markt hervor, sei es die große Bevölkerung von über 100 Millionen, der hohe Technologiezugang oder die Akzeptanz von Kryptowährungen, die Vietnam zur Nummer sieben nach Anzahl der Besitzer macht.
Tokenisierung als neuer Finanzierungsweg
Ein weiterer spannender Aspekt ist die Tokenisierung, die das Eigentum an realen Vermögenswerten wie Immobilien und Infrastrukturprojekten digitalisiert. Die Vorteile sind vielfältig: mehr Transparenz, geringere Transaktionskosten und eine höhere Liquidität für schwer handelbare Vermögenswerte. Unternehmen, insbesondere die über 900.000 kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Vietnam, profitieren enorm von diesem neuen Finanzierungsweg – eine willkommene Abwechslung zu den traditionellen Bankfinanzierungen. Diese Entwicklungen könnten dazu führen, dass der Markt in Vietnam bis 2030 ein Volumen von etwa 70 bis 80 Milliarden US-Dollar erreicht, vorausgesetzt, der rechtliche Rahmen und die Marktinfrastruktur entwickeln sich reibungslos.
Asien als Kontinent hat über 60 % der weltweiten Krypto-Nutzer und eine Akzeptanzrate von 22 %. Länder wie Singapur, Hongkong und Vietnam setzen umfassende Regulierungsrahmen für Kryptowährungen in Kraft, was zeigt, dass die Region als wichtiges Zentrum für digitale Technologien an Bedeutung gewinnt. Vietnams Bestrebungen, ein regionales Technologiezentrum zu werden, sind klar erkennbar und der neu geschaffene regulatorische Rahmen könnte als Modell für andere südostasiatische Länder dienen.
Der Blick über den Tellerrand
Natürlich sind die Entwicklungen im Krypto-Sektor nicht ohne Herausforderungen. Der Zusammenbruch von Handelsplattformen wie FTX im Herbst 2022 hat die Risiken des Systems in aller Deutlichkeit aufgezeigt. Auch in Europa und international wird sehr genau hingeschaut, wie sich der Kryptomarkt entwickelt. Die Regulierung von Kryptowerten erfolgt nach dem Prinzip „regulate and contain“, und es ist das Ziel, Ansteckungsrisiken mit dem traditionellen Finanzsystem zu minimieren. Hierzulande beaufsichtigt die BaFin in Zusammenarbeit mit der Bundesbank die Emittenten von Stablecoins und E-Geld-Token, während die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) teilweise die Aufsicht über signifikante vermögenswertreferenzierte Token übernimmt.
Mit einem soliden regulatorischen Rahmen könnte Vietnam nicht nur seine eigenen Finanzmärkte stärken, sondern auch eine Vorreiterrolle in der Region einnehmen. Die künftige Entwicklung bleibt spannend – es bleibt abzuwarten, wie sich die Dinge weiter entfalten. Die Zeichen stehen auf Veränderung, und die Krypto-Welt in Vietnam zeigt sich sowohl herausfordernd als auch vielversprechend.