Heute ist der 9.06.2026 und das Thema, das uns alle beschäftigt, ist das europäische Rüstungsprojekt FCAS (Future Combat Air System). Die offizielle Ankündigung aus der jüngsten Pressekonferenz von Bundeskanzler Friedrich Merz und Präsident Emmanuel Macron hat uns wie ein kalter Wind getroffen. FCAS, das als das teuerste Verteidigungsprojekt Europas galt, wird nicht weitergeführt. Ein Projektvolumen von rund 100 Milliarden Euro – das klingt nach einer Menge Holz. Aber was ist tatsächlich geschehen?
Die Idee hinter FCAS war groß: Ein Kampfflugzeug der nächsten Generation, umgeben von autonomen Drohnenschwärmen, sollte bis 2040 einsatzbereit sein. Die großen Akteure, Airbus Defence and Space aus Deutschland und Dassault Aviation aus Frankreich, hatten 2019 sogar Spanien als Partner ins Boot geholt. Doch was als vielversprechende Zusammenarbeit begann, entwickelte sich schnell zu einem schleichenden Drama. Spannungen zwischen den Partnern, hauptsächlich wegen Machtansprüchen und unterschiedlichen nationalen Interessen, haben das Projekt ins Wanken gebracht. Dassault wollte das Sagen haben beim New Generation Fighter (NGF), während Airbus auf eine gleichwertige Co-Leadership bestand. Irgendwie klingt das nach einem klassischen Fall von „zwei Köche verderben den Brei“.
Der Stillstand und seine Folgen
Der Stillstand, der nun eingetreten ist, hat nicht nur ökonomische, sondern auch strategische Konsequenzen. Milliarden Euro wurden bereits in die Demonstrator- und Vorbereitungsphasen investiert. Und jetzt? Deutschland und Frankreich haben wertvolle Zeit verloren, während das britisch-italienisch-japanische Konkurrenzprojekt GCAP bereits technologisch voranschreitet. Ein besonders bitterer Beigeschmack bleibt: Die deutsche Rüstungsindustrie, vor allem Airbus Defence, hat durch das Scheitern von FCAS eine strategische Lähmung erfahren. In einer Zeit, in der Europa seine Verteidigungsfähigkeit nach dem Ukraine-Konflikt dringend stärken muss, ist das ein schmerzlicher Rückschlag.
Für Deutschland wird es nun ernst. Die Verteidigungsausgaben sollen bis 2035 auf fünf Prozent des BIP steigen. Und die EU hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 eine europäische Verteidigungsbereitschaft zu erreichen – mit jährlichen Investitionen von etwa 50 Milliarden Euro. Doch wie soll das gelingen, wenn die nationale Eitelkeit und Machtspiele die Zusammenarbeit behindern? Dassaults Haltung war geprägt von nationalem Stolz und dem Drang nach Kontrolle über das Kerngeschäft. Frankreich versuchte bis zuletzt, das Projekt zu retten, während Deutschland nun entschlossen den Abbruch beschlossen hat.
Europäische Verteidigungsindustrie unter Druck
Ein gemeinsamer Report des Kiel Instituts für Weltwirtschaft und Bruegel wirft ein weiteres Licht auf die Lage. Die Auswertung zeigt, dass die Produktionsmengen für Artilleriegeschosse und Haubitzen zwar gestiegen sind, aber die europäischen Hersteller trotzdem nicht mithalten können. Die Produktion von modernen Waffensystemen ist in Europa immer noch zu niedrig. Um mit Russlands Aufrüstung Schritt zu halten, müsste die Herstellung von Panzern und Infanteriefahrzeugen um das Sechsfache steigen. Wie soll das alles zusammenpassen? Guntram Wolff warnt: Die Aufrüstung könnte scheitern, wenn nicht endlich Fortschritte in der europäischen Verteidigungsintegration erzielt werden.
Die Abhängigkeit von den USA ist ein weiteres großes Thema. Europa investiert nur 13 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung im Verteidigungsbereich, während die USA mit 145 Milliarden Dollar weit voraus sind. Es wird Zeit, dass die europäischen Länder stärker zusammenarbeiten, um Innovationen zu fördern und die technologischen Rückstände aufzuholen. Die Idee einer europäischen Innovationsagentur, ähnlich wie die DARPA in den USA, könnte eine Lösung sein. Die Frage bleibt: Werden wir es schaffen, den Rüstungs-Start-ups den gleichen Zugang zu Bestellungen wie den etablierten Unternehmen zu ermöglichen? Die Zeit wird es zeigen.
Die Entwicklungen rund um FCAS sind also nicht nur eine Geschichte von gescheiterten Projekten, sondern auch ein Weckruf für Europa. Die Herausforderungen sind groß, aber vielleicht ist es an der Zeit, dass wir die Ärmel hochkrempeln und die Rüstungsindustrie wieder auf Kurs bringen. Schließlich geht es nicht nur um Prestige, sondern auch um die Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit unseres Kontinents.