Die DeFi-Welt steht vor einer beispiellosen Herausforderung, nachdem ein Angriff auf KelpDAO am 18. April zu einem massiven Forderungsausfall von bis zu 230,1 Millionen US-Dollar führte. Der Exploit, der um 17:35 Uhr UTC bei Ethereum-Block 24.908.285 begann, nutzte eine Schwachstelle in der Layerzero-V2-Brücke von Kelp DAO aus. Dies führte zur unautorisierten Erstellung von 116.500 ungedeckten rsETH-Token im Wert von etwa 292 Millionen US-Dollar. Aave, als eine der führenden DeFi-Plattformen, war von diesem Vorfall besonders betroffen, da 89.567 rsETH als Sicherheiten auf Aave-V3-Märkten hinterlegt waren.
Inmitten dieser Krise wurde DeFi United ins Leben gerufen, ein Multi-Protokoll-Hilfsfonds, der bis zum 25. April 160 Millionen US-Dollar sammelte, um das rsETH-Defizit zu decken. Mantle und Aave DAO verpflichteten sich, zusammen 55.000 ETH in Höhe von etwa 127 Millionen US-Dollar beizutragen, während Aave-Gründer Stani Kulechov persönlich 5.000 ETH zur Verfügung stellte. Die Governance-Abstimmungen über einen weiteren Beitrag von 25.000 ETH durch Aave DAO laufen aktuell noch.
Koordinierte Maßnahmen und Reaktionen
Die Koalition aus DeFi-Protokollen, zu der unter anderem auch Bybit, Lido und die Golem Foundation gehören, zeigt, wie wichtig die Gemeinschaft zusammensteht, um die Folgen des Angriffs zu bewältigen. Mantle hat eine Kreditfazilität von bis zu 30.000 ETH vorgeschlagen, die zu Lidos Zinssatz plus 1 % strukturiert ist und über einen Zeitraum von 36 Monaten zurückgezahlt werden soll. Dies ist ein weiteres Beispiel für die Solidarität innerhalb der DeFi-Community, die sich in dieser Krise formiert hat.
Der Angriff hat nicht nur das Vertrauen in Aave erschüttert, sondern auch zu einem Rückgang des Gesamtwerts der bei Aave gebundenen Mittel (TVL) auf 6 bis 9 Milliarden US-Dollar geführt. Dies ist ein dramatischer Rückgang, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Verluste im DeFi-Bereich insgesamt über 13 Milliarden US-Dollar betragen. Der Kurs von AAVE fiel um 10 % bis 22 %, was die Unsicherheit in der Branche unterstreicht.
Die Lehren aus der Krise
Die Reaktionen auf den Vorfall zeigen, dass die DeFi-Welt sowohl Resilienz als auch die Möglichkeit zur Anpassung an neue Herausforderungen besitzt. Experten äußern vorsichtigen Optimismus über die koordinierte Antwort, weisen jedoch darauf hin, dass klare Regeln und Verantwortlichkeiten für zukünftige Wiederherstellungsmaßnahmen unerlässlich sind. Der Vorfall hat auch die Diskussion über die Sicherheit und die Risiken von DeFi-Verträgen neu entfacht, was möglicherweise zu einer Verschiebung hin zu konservativeren Konfigurationen führen könnte.
Insgesamt gilt DeFi United als eine der größten koordinierten Wiederherstellungsmaßnahmen in der DeFi-Geschichte. Die Initiative kann als Wegweiser für zukünftige Krisen in der Branche dienen, während die Governance-Abstimmungen über ausstehende Beiträge weiterhin laufen und der Fonds weiterhin Spenden entgegennimmt.