Heute ist der 4.05.2026. Inmitten der turbulenten Entwicklungen in der türkischen Medienlandschaft hat CORRECTIV eine bemerkenswerte Initiative gestartet: Die Civic-Tech-Plattform KARA KUTU. Diese Plattform hat sich zum Ziel gesetzt, systematische Zensur in der Türkei zu dokumentieren und sichtbar zu machen. Mithilfe von Blockchain-Technologie und automatisierten Monitoring-Tools wird versucht, die Eingriffe von Behörden in die Berichterstattung zu enthüllen. Das ist nicht nur ein mutiger Schritt, sondern auch ein Zeichen der Hoffnung für die Pressefreiheit in einem Land, das in den letzten Jahren immer mehr unter Druck geraten ist.

KARA KUTU archiviert Artikel für mindestens 200 Jahre in der Blockchain. Das bedeutet, dass Informationen, die in der heutigen Zeit kritisch sind, auch für zukünftige Generationen zugänglich bleiben. Die Idee dahinter ist, ein dauerhaftes öffentliches Gedächtnis für die türkische Medienlandschaft zu schaffen. Geplant sind zudem Archive in russischen und arabischen Sprachen, um noch breitere Zielgruppen zu erreichen. Diese Plattform könnte sich als unverzichtbares Werkzeug für Redaktionen, Reporter, Forscher und zivilgesellschaftliche Organisationen erweisen, die gegen das Verschwinden journalistischer Inhalte kämpfen.

Ein düsteres Gesetz

Die Notwendigkeit einer solchen Plattform wird umso deutlicher vor dem Hintergrund eines neuen Gesetzes, das am 13. Oktober 2022 vom türkischen Parlament verabschiedet wurde. Dieses Gesetz gegen Desinformation hat weitreichende Konsequenzen. Kritiker:innen warnen vor dem strengsten Zensurmechanismus in der Geschichte der Türkei. Wer als Journalist oder Betreiber sozialer Medien „irreführende Informationen“ verbreitet, dem drohen bis zu drei Jahre Haft. Und die Auflagen betreffen nicht nur die traditionellen Medien, sondern auch Online-Nachrichtendienste, die sich wie gedruckte Medien akkreditieren müssen.

Die NGO Reporter ohne Grenzen äußert Bedenken über die Auswirkungen dieses Gesetzes auf die journalistische Arbeit, während Amnesty International es als einen Versuch sieht, ein Klima der Angst zu schaffen. Überall wird von Selbstzensur gesprochen – ein besorgniserregendes Phänomen, das die Meinungsfreiheit erheblich einschränkt. Besonders die vage Formulierung des Gesetzes lässt den Raum für willkürliche Anklagen offen, was die Situation noch prekärer macht. Sogar die größte Oppositionspartei, die CHP, sieht darin einen Angriff auf Grundrechte und -freiheiten, insbesondere mit Blick auf die bevorstehenden Parlamentswahlen im Juni 2023.

Ein Lichtblick in dunklen Zeiten

Inmitten all dieser Herausforderungen bietet KARA KUTU eine Art Lichtblick. Sie ist eine gemeinnützige, unabhängige und frei zugängliche Plattform, die sich an eine breite Öffentlichkeit richtet. Interessierte können sich registrieren und werden in die Nutzung der Plattform eingeführt. Das hilft nicht nur den Journalisten, sondern auch den Bürger:innen, die sich für die Wahrheit einsetzen wollen. Doch KARA KUTU ist auf Spenden angewiesen, um den Betrieb und die Weiterentwicklung zu finanzieren. Ein Aufruf an alle, die sich für die Pressefreiheit und gegen Zensur engagieren wollen.

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Die Pressefreiheit in der Türkei hat sich seit 2014 dramatisch verschlechtert. Die Türkei ist in der Pressefreiheitsrangliste von Reporter ohne Grenzen von Platz 116 auf Platz 149 gefallen. Die Kontrolle über die Medien hat zugenommen – besonders nach dem Putschversuch 2016. Menschenrechtsorganisationen fordern internationale Solidarität und die Einhaltung menschenrechtlicher Verpflichtungen durch die türkische Regierung. In dieser angespannten Lage ist KARA KUTU mehr als nur ein Projekt; es ist ein notwendiges Instrument im Kampf für die Wahrheit und gegen die Zensur. Die Zeit wird zeigen, wie sich diese Entwicklungen weiter entfalten.